Auswertung der Tichu-Spielerstatistiken
1. Grafik: Rohdaten der Spieler
Die Datengrundlage bilden die Statistiken aus dem Leaderboard. Berücksichtigt wurden ausschließlich Spieler, die mindestens
Level 17 erreicht haben und eine
Gewinnrate von mindestens 55 % aufweisen. Insgesamt umfasst die untersuchte Stichprobe
37 Spieler.
Neben der Gewinnrate werden sieben Leistungskategorien betrachtet:
- Grand Tichu +/−: Kennzahl zur Leistung bei Grand-Tichu-Ansagen, die unter anderem die Ansagehäufigkeit und den Erfolg berücksichtigt.
- Tichu +/−: Entsprechende Kennzahl für Tichu-Ansagen.
- Card Points: Erzielte Kartenpunkte.
- Double Wins: Erzielte eigene Doppelsiege.
- Tichu Success P.: Erfolgskennzahl im Zusammenhang mit Tichu-Ansagen des Partners.
- Double Wins Opp: Kennzahl zu gegnerischen Doppelsiegen.
- Tichu Success Opp: Erfolgskennzahl im Zusammenhang mit gegnerischen Tichu-Ansagen.
Ziel der Untersuchung ist es, aus diesen unterschiedlichen Kennzahlen einen übergreifenden Leistungswert zu entwickeln und anschließend zu überprüfen, wie stark dieser mit der Gewinnrate zusammenhängt.
2. Grafik: Korrelationsanalyse
Zunächst wurde mithilfe einer Korrelationsanalyse in Excel untersucht, wie stark die einzelnen Leistungskategorien statistisch miteinander zusammenhängen.
Dabei zeigte sich insbesondere zwischen
Card Points und Double Wins eine sehr starke positive Korrelation von r = 0,895.
Das bedeutet, dass Spieler mit hohen Kartenpunktwerten tendenziell auch hohe Werte bei den eigenen Doppelsiegen erreichen. Beide Kennzahlen könnten somit teilweise ähnliche Leistungsaspekte abbilden.
Würden beide Kennzahlen unabhängig voneinander und mit demselben Gewicht wie die übrigen Kategorien in den Gesamtwert eingehen, könnte dieser gemeinsame Leistungsbereich überproportional berücksichtigt werden.
Um eine mögliche Übergewichtung ähnlicher Leistungsaspekte zu reduzieren, wurden
Card Points und Double Wins zu einer gemeinsamen Kategorie zusammengefasst. Hierfür wurde später der Mittelwert ihrer beiden standardisierten Werte gebildet.
Die Korrelationsanalyse zeigt dabei statistische Zusammenhänge, jedoch keine ursächlichen Wirkungen zwischen den Kennzahlen.
3. Grafik: Standardisierung und Performance-Score
Da die sieben Leistungskategorien unterschiedliche Wertebereiche und Streuungen aufweisen, wurden sie zunächst mithilfe der
Z-Standardisierung vergleichbar gemacht.
Ein Z-Wert beschreibt, wie weit der Wert eines Spielers vom Durchschnitt der untersuchten Spieler entfernt ist, gemessen in Standardabweichungen.
Die Interpretation lautet:
- Z-Wert = 0: Der Spieler liegt genau im Durchschnitt der untersuchten Gruppe.
- Z-Wert größer als 0: Der Spieler liegt über dem Gruppendurchschnitt.
- Z-Wert kleiner als 0: Der Spieler liegt unter dem Gruppendurchschnitt.
Dabei ist nicht nur entscheidend, ob ein Spieler besser oder schlechter als der Durchschnitt abschneidet, sondern auch,
wie groß dieser Abstand im Verhältnis zur Streuung der jeweiligen Kategorie ist.
Beispielsweise kann ein Unterschied von einem Punkt in einer Kategorie mit sehr geringer Streuung statistisch bedeutsamer sein als ein Unterschied von mehreren Punkten in einer Kategorie mit hoher Streuung.
Die Standardisierung verhindert somit, dass Kategorien allein aufgrund ihrer größeren Zahlenwerte oder unterschiedlichen Maßeinheiten stärker ins Gewicht fallen.
Bei den Kennzahlen, bei denen niedrigere Rohwerte eine bessere Leistung darstellen, wurde das Vorzeichen der Z-Werte umgekehrt. Dadurch gilt für sämtliche standardisierten Leistungskategorien einheitlich:
Je höher der Z-Wert, desto besser die relative Leistung.
Bildung des Performance-Scores
Nach der Standardisierung wurden Card Points und Double Wins durch Mittelwertbildung zu einer gemeinsamen Kategorie zusammengefasst.
Damit ergeben sich insgesamt
sechs Leistungskomponenten, die gleichgewichtet in den Performance-Score eingehen.
Der Performance-Score wird als arithmetischer Mittelwert dieser sechs standardisierten Komponenten berechnet.
Er soll die statistisch erfasste Gesamtleistung eines Spielers über verschiedene Bereiche des Tichu-Spiels hinweg abbilden.
Ein positiver Performance-Score bedeutet, dass der Durchschnitt der sechs standardisierten Leistungskomponenten eines Spielers positiv ist. Ein negativer Score bedeutet entsprechend, dass dieser Durchschnitt negativ ist.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass ein Spieler mit positivem Score in jeder einzelnen Kategorie überdurchschnittlich abschneidet. Stärken in einzelnen Bereichen können Schwächen in anderen Bereichen ausgleichen.
Je höher der Performance-Score, desto stärker ist die zusammengefasste statistische Leistung des Spielers im Vergleich zur untersuchten Gruppe.
Wichtig: Die Gewinnrate selbst wird nicht in den Performance-Score eingerechnet. Sie dient anschließend als separat betrachtete Vergleichsgröße, um zu überprüfen, ob der entwickelte Score mit dem Spielerfolg zusammenhängt.
4. Grafik: Performance-Score im Verhältnis zur Gewinnrate
Im nächsten Schritt wurde untersucht, ob zwischen dem berechneten Performance-Score und der tatsächlichen Gewinnrate der Spieler ein statistischer Zusammenhang besteht.
Das Streudiagramm zeigt einen
deutlichen positiven linearen Zusammenhang.
Die berechnete Korrelation beträgt
r ≈ 0,757. Das Bestimmtheitsmaß der linearen Regression liegt bei
R² ≈ 0,574.
Das bedeutet, dass Spieler mit einem höheren Performance-Score innerhalb der untersuchten Gruppe tendenziell auch eine höhere Gewinnrate aufweisen.
Das lineare Regressionsmodell erklärt rund 57,4 % der beobachteten Varianz der Gewinnrate innerhalb der untersuchten Stichprobe.
Dieses Ergebnis spricht dafür, dass die ausgewählten Leistungskennzahlen in ihrer Kombination einen erheblichen Teil der Unterschiede im Spielerfolg statistisch abbilden können.
Zugleich zeigt die verbleibende, nicht durch das Modell erklärte Streuung, dass weitere Faktoren eine Rolle spielen können. Dazu könnten beispielsweise die Zusammenarbeit mit dem Spielpartner, taktische Entscheidungen oder andere nicht erfasste Aspekte gehören.
Der Performance-Score ist daher kein vollständiges Maß für die Spielstärke, stellt aber einen vielversprechenden zusammenfassenden Leistungsindikator dar.
5. Grenzen der Untersuchung
Bei der Interpretation der Ergebnisse müssen einige Einschränkungen berücksichtigt werden.
Die Stichprobe umfasst ausschließlich Spieler mit mindestens Level 17 und einer Gewinnrate von mindestens 55 %. Die Ergebnisse beziehen sich daher zunächst auf diese ausgewählte Spielergruppe und lassen sich nicht ohne Weiteres auf sämtliche Tichu-Spieler übertragen.
Darüber hinaus zeigen die berechneten Korrelationen statistische Zusammenhänge, jedoch keine Kausalität. Aus einem positiven Zusammenhang zwischen einer Leistungskennzahl und der Gewinnrate lässt sich nicht unmittelbar ableiten, dass eine Verbesserung dieser Kennzahl die Gewinnrate ursächlich erhöht.
Außerdem basiert der Performance-Score auf einer bewusst gewählten Gleichgewichtung der sechs Leistungskomponenten. Andere Gewichtungsverfahren könnten zu abweichenden Ergebnissen führen.
6. Fazit
Die Untersuchung zeigt einen deutlichen positiven Zusammenhang zwischen dem entwickelten Performance-Score und der Gewinnrate der untersuchten Spieler.
Der Performance-Score weist mit
r ≈ 0,757 einen stärkeren Zusammenhang mit der Gewinnrate auf als jede der einzeln betrachteten Leistungskomponenten.
Dies unterstützt die Annahme, dass die Kombination verschiedener Leistungsdimensionen einen aussagekräftigeren Indikator für den Spielerfolg darstellen kann als die isolierte Betrachtung einzelner Statistiken.
Dabei können Spieler trotz vergleichbarer Performance-Scores unterschiedliche individuelle Stärken und Schwächen aufweisen. Eine hohe statistische Gesamtleistung muss folglich nicht auf einem einheitlichen Spielstil oder identischen Leistungsprofil beruhen.
Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die im Leaderboard erfassten Leistungskennzahlen in ihrer Kombination geeignet sind, wesentliche Unterschiede im Spielerfolg innerhalb der untersuchten Gruppe abzubilden.